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Auswahl der E-Commerce-Software

7 min lesen 19 Mai 2020
Jahr für Jahr kennen die Umsatzzahlen im Onlinehandel nur eine Richtung: und zwar die nach oben! Im Jahr 2019 wurden hierzulande im E-Commerce 3,5 Milliarden Euro brutto umgesetzt. Das entspricht einem Plus von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für 2020 prognostizierte die Branche eine weitere Zunahme – und das war noch „vor Corona“, das die Struktur des Handels weltweit noch einmal umgekrempelt hat.

Der meiste Umsatz wird in der Kategorie Bekleidung generiert, dicht gefolgt von Elektronik und Medien, Einrichtung und Spielzeug, Hobby und DIY. Bei Produkten des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel & Drogerie wurde mit 432,8 Millionen Euro jährlich zwar der geringste Umsatz erzielt, es handelt sich hier jedoch um den größten Wachstumsmarkt. Insbesondere Lebensmittel werden zunehmend online bestellt. Und auch hier gilt: Das sind die Zahlen, wie sie für eine Zeit ohne Virus-Pandemie errechnet wurden.

Online verkaufen – für Händler geht kein Weg dran vorbei

Beim Blick auf die Zahlen wird schnell klar: Für Händler ist der Verkaufskanal unverzichtbar. Und wer einen Onlineshop betreibt oder plant, der benötigt ein entsprechendes Shopsystem, Payment- und Marketing-Tools sowie weitere Software.

Die Auswahl des richtigen Shopsystems für den E-Commerce

Um das Warenangebot online abzubilden braucht man zunächst ein Shopsystem. Software as a Service (SaaS), Open-Source oder On-Premise-Lösungen? In jeder Kategorie steht eine riesige Auswahl an Systemen zur Verfügung, da fällt die Entscheidung nicht gerade leicht.

Maßgeblich für die Entscheidung ist die Ausgangssituation: Kleine Händler haben andere Anforderungen als große Unternehmen oder Konzerne, die international tätig sind. Für die Auswahl des passenden Shopsystems, müssen deshalb zunächst die Anforderungen festgelegt werden:

  • Wie viele Produkte sollen verkauft werden?
  • Welcher Umsatz wird aktuell generiert / ist geplant?
  • Sollen individuelle Anpassungen möglich sein?
  • Ist der Verkauf regional, national oder international geplant?
  • Gibt es E-Commerce-Kompetenzen Inhouse oder Budget für eine Agentur?

Sobald der Anforderungskatalog erstellt wurde, gilt es die unterschiedlichen Shopsysteme zu vergleichen und eine Rangliste zu erstellen.

Mit der Größe des Onlineshops steigt die Komplexität und damit auch die Kosten:

Größe des Onlineshopskleinmittelgroß
Komplexitätgeringmittelhoch
MerkmaleE-Commerce-Website-Builder, geringer Funktionsumfang, keine Verknüpfung zu anderen Systemen.Software wird in der Cloud bereitgestellt, großer Funktionsumfang, Schnittstellen möglich.Omnichannel: Verknüpft alle Systeme (ERP, CMS, CRM) und erfasst automatisiert Kunden, Bestellungen, Produkte und passt Bestände an.
Geschätzte Implementierungsdauerwenige Tage, je nach Produktanzahleinige Wochenmehrere Wochen oder Monate
Kostenca. 10 € – 50 € / Monatca. 25 € -300 € MonatHoher Installationsaufwand und Entwicklungskosten sowie mehrere Tausend Euro Lizenzgebühren
Beispiele für ShopsystemeSquarespace, weeblyshopify, lightspeedMagento, intershop, SAP Commerce Cloud

Die Übersicht zeigt die Unterschiede deutlich auf. Ein kleiner Shop ist schnell fertig gestellt. Das liegt an der einfachen Bedienung, in die sich auch Unerfahrene schnell einarbeiten können. Das System beschränkt sich allerdings auf die Grundfunktionen. In der Regel stehen mehrere Templates zur Auswahl, die für das Layout des Onlineshops sorgen, aber Individualprogrammierungen sind nicht möglich. Die optimale Lösung für einen regionalen Verein, der die Trikots oder andere Merchandise-Artikel zum Verkauf anbieten möchte.

Für Onlineshops, die Wachstum und eine gewisse Skalierbarkeit anstreben, eignet sich schon ein größeres Shopsystem. Es werden deutlich mehr Funktionen, Integrationen und Individualisierungen angeboten. Die Bedienung ist nicht ganz so intuitiv. Aus diesem Grund ist die Einarbeitung zeitintensiver.

Das Implementieren von komplexen Onlineshops ist ein vergleichsweise großes Projekt, das ohne technische Expertise nicht umgesetzt werden kann. Es handelt sich um Software, die selbst installiert wird und nicht wie in den vorangegangenen Beispielen in der Cloud bereitgestellt wird. Das hat den Vorteil, dass der Onlineshop durch Programmierungen stark individualisiert und an alle Anforderungen angepasst werden kann. Doch diese Individualprogrammierungen benötigen Zeit und verursachen Kosten. Je mehr angepasst werden muss, desto länger dauert die Umsetzung und desto teurer wird das Projekt. Komplexe Onlineshops eignen sich daher nur für Unternehmen, die mit den Umsätzen die Kosten wettmachen.

Payment Service Provider: Kauf auf Rechnung, Lastschrift, Paypal und Co

Fast genauso wichtig wie die Auswahl des passenden Shopsystems ist es, die vom Nutzer gewünschten Zahlungsmethoden anzubieten. Laut der PPRO-Studie zum Onlineshopping-Verhalten der Deutschen haben zwei Drittel den Einkauf schon abgebrochen, weil die bevorzugte Bezahlart nicht zur Verfügung stand (39,8 Prozent), der Bezahlvorgang zu kompliziert war (14,2 Prozent), der Vorgang nicht funktioniert hat (9,1 Prozent) oder dem Bezahlverfahren nicht vertraut wurde (3,6 Prozent).

Eine Zahlungsart alleine reicht nicht aus. Denn jeder präferiert eine andere Zahlungsmethode. Nur wer alle anbietet kann Warenkorbabbrüche vermeiden und den Umsatz steigern. Am beliebtesten ist der Kauf über Rechnung (41 Prozent), dicht gefolgt von Paypal (35 Prozent) und weit abgeschlagen auf Platz drei die Bezahlung per Lastschrift (8 Prozent).

Je mehr Zahlungsmethoden angeboten werden, desto kundenorientierter erscheint der Onlineshop. Dennoch sollten nicht wahllos sämtliche Zahlungsmethoden angeboten werden, das wirkt schnell planlos und überfordert den Käufer. Beim Zahlungsmix sollten zudem auch die Gebühren der Zahlungsmethoden berücksichtigt werden. Sind die Gebühren zu hoch, ist die Zahlungsmethode eventuell nicht rentabel.

Ein Payment Service Provider unterstützt bei der technischen Anbindung von Online-Bezahlmethoden wie PayPal oder Kreditkarten an den Onlineshop. Der auf dem deutschen Markt verbreitetste Anbieter ist wohl Klarna. Mithilfe des Payment Service Providers entfällt die Vertragsvereinbarung mit jedem einzelnen Online-Bezahlsystem. Ein weiterer Vorteil: Wird eine Rechnung nicht bezahlt oder eine Lastschrift zurückgebucht, liegt das Risiko für die Zahlungsausfälle bei der richtigen Absicherung beim Payment Service Provider und nicht beim Onlineshop, denn dieser tritt als Vertragspartner gegenüber dem Kunden auf.

Mit Tracking den Onlineshop optimieren und Verkäufe steigern

Heutzutage kann jeder einen Onlineshop ins Netz stellen, aber der Erfolg des Shops ist entscheidend. Um herauszufinden welche Traffic-Quelle am meisten Umsatz generiert, welche Marketingmaßnahmen zur Verkaufssteigerung führen, welche Suchanfragen zum Shop führen oder auch einfach zur Analyse des Nutzerverhaltens auf der Seite, um Optimierungspotential zu identifizieren, werden Tracking Tools benötigt. Die meisten Tools arbeiten mit Cookies. Google bietet gleich mehrere Tools an und ermöglicht damit alles vom Tracking, über A/B-Tests bis hin zur Erstellung von individuellen Reports: Google Analytics, Google Tag Manager, Google Search Console und Google Data Studio.

Es gibt aber viele weitere kostenfreie und kostenpflichtige Tools, die anstatt Google eingesetzt werden können, etwa Econda oder Matomo. Mouseflow hingegen fasst das Nutzerverhalten in Heatmaps zusammen: Wo klicken Besucher? Wann scrollen sie? Worauf richten sie ihre Aufmerksamkeit? Dadurch wird schnell enttarnt, was im Onlineshop klappt und wo noch optimiert werden muss.

Onlineshop benötigt gute Vorplanung

Der Go-Live eines Onlineshops lässt sich nicht von heute auf morgen realisieren. Die Planung ist mit viel Vorarbeit verbunden. Nicht nur die Konkretisierung der Anforderungen, die Auswahl des Shopsystems, die Einbindung passender Zahlungsmethoden und Absicherung bei Nichtbezahlung und Analyse durch Tracking; auch Abläufe und Prozesse hinter dem Onlineshop müssen geplant und umgesetzt werden:

Nur wenn alle Punkte sorgfältig und effizient geplant werden, können Kosten reduziert und Umsätze gesteigert werden.

Quellen:

https://www.ppro.com/western-and-central-europe/

https://partner.idealo.com/de/magazin/welches-sind-die-beliebtesten-zahlarten-der-onlineshopper/

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