Ökologische Verpackungen aus Myzel und Zuckerrohr

9 min lesen11 Jänner 2022
Die Themen Verpackung und Nachhaltigkeit sind ohne einander nicht mehr denkbar. Plastik, Styropor & Co. sorgen für tonnenschwere Müllberge auf der ganzen Welt. Wo kann auf Verpackung verzichtet werden? Wo kann Verpackung reduziert werden? Aber auch: Wie beständig muss Verpackung sein? Der Blick fällt dabei immer häufiger auf innovative, natürliche Materialen, die als ökologische Verpackung dienen können. Zum Beispiel: Myzel und Zuckerrohr!

Verpackungen sorgen für enorme Müllberge

Wer im Supermarkt einkaufen geht, findet nahezu alle Lebensmittel und Produkte in irgendeiner Weise verpackt. Für Haushalte bedeutet das am Ende jede Menge Verpackungsmüll. Und auch in Unternehmen und Industriebetrieben fallen Tonnen an Verpackungen an. Dabei stellt sich irgendwann die Frage: Ist das überhaupt alles notwendig?

Einerseits dienen Verpackungen als Präsentationsfläche, um Marken oder Produkte zu transportieren. Andererseits haben sie auch eine Schutzfunktion, um sie etwa beim Transport, vor schlechter Witterung oder starken Temperaturschwankungen zu schützen. Hier braucht es also Verpackungen.

Allerdings ist das Thema Verpackung immer auch mit der Umweltproblematik verbunden. Laut Umweltbundesamt sind allein in Deutschland im Jahr 2018 knapp 19 Millionen Tonnen Verpackungsabfall angefallen. Vor allem Papierabfälle und Kunststoff sind die Hauptsünder für diese Abfallmengen. Auch deshalb beschäftigen sich immer mehr Unternehmen mit nachhaltigen Verpackungsmaterialien, die weniger Müll und mehr Umweltschutz bedeuten.

Was sind ökologische Verpackungen?

Wann eine Verpackung ökologisch oder nachhaltig ist, ist nicht eindeutig definiert. Klar ist aber, dass sie ressourcenschonend sein muss. Und zwar sowohl in Bezug auf den Materialeinsatz als auch den Einsatz von Energie. Für Konsumenten ist eine Verpackung vor allem dann nachhaltig, wenn sie biologisch abbaubar ist und aus recycelten beziehungsweise recycelbaren Materialien besteht.
Vor allem Papier / Pappe und Glas gelten hier als nachhaltig. Doch es gibt noch andere Alternativen, die als ökologische Verpackung dienen können.

Welche ökologischen Verpackungen gibt es?

Die Industrie schlägt bereits verschiedene Wege ein, um Verpackungen ökologischer und damit nachhaltig(er) zu machen. Dabei gibt es unterschiedliche Materialien, aus denen die ökologischen Verpackungen bestehen können.

Biobasierte Verpackungen

Biobasierte Verpackungen werden aus Biomasse, also organischen Substanzen, hergestellt. Bei Bioplastik stammt die Biomasse so beispielsweise aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrohr.

Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen

Biologisch abbaubare Verpackungen können durch in der Natur vorkommende Bestandteile zersetzt werden. Das sind insbesondere Kohlenstoffdioxid und Wasser. Der Begriff ist nicht zu verwechseln mit „abbaubar“. Das meint nämlich lediglich den Zerfall größerer Plastikteile in Mikroplastik, was genauso umweltschädlich ist wie große Plastikteile. Biologisch abbaubare Verpackungen werden hingegen ohne das Zurückbleiben schädlicher Rückstände zersetzt.

Kompostierbare Verpackungen

Auch kompostierbare Verpackungen werden biologisch abgebaut. Es handelt sich also um den gleichen Prozess wie bei biologisch abbaubaren Kunststoffen – allerdings unter optimierten Bedingungen. Kompostierbare Biokunststoffe sollten Sie jedoch nicht in Ihrem Kompost im heimischen Garten entsorgen. Sie sind nur für die industrielle Kompostierung ausgelegt.

3 Innovationen im Bereich ökologischer Verpackung

Nachhaltig, sinnvoll und funktional sollen auch die neuen Verpackungen sein und Plastik, Kunststoff & Co. damit den Kampf ansagen. Unternehmen aus der Verpackungsindustrie beschäftigen sich deshalb mit innovativen Materialien und Herstellungsverfahren, um nachhaltige Verpackungen auf den Markt zu bringen. 3 spannende Alternativen zu herkömmlichen Verpackungen wollen wir Ihnen heute vorstellen.

Mit Pilzen verpacken?

Polstermaterial: Pilze statt Styropor

Styropor ist eines der am meisten verwendeten Verpackungsmaterialien. Umwelttechnisch ist der Stoff aber alles andere als nachhaltig. Denn Styropor ist nicht biologisch abbaubar und es benötigt rund 1,5 Liter Benzin, um einen einzigen Würfel Styropor herzustellen. Das amerikanische Unternehmen Ecovative hat deshalb eine natürliche Alternative zu Styropor entwickelt. Dabei werden aus biologischen Abfällen und Pilzen innovative und ökologische Verpackungen hergestellt – und zwar in beliebigen Formen.

Die Bioabfälle werden dafür im ersten Schritt zerkleinert und mit speziellen Pilzkulturen (Myzel) vermischt. Diese bekommen dann fünf Tage Zeit, um zu wachsen. Die Bioabfälle dienen den Pilzen dabei als Nahrung. Im Anschluss wird die Mischung erneut zerkleinert und danach in die endgültige Form gebracht. Damit diese nicht weiter wächst, wird die Masse erhitzt. Das macht die neue Myzel Verpackung zusätzlich keimfrei.

Der nachhaltige Styroporersatz ist ideal für den Versand per Post, zum Beispiel von Glasflaschen oder anderen zerbrechlichen Gegenständen. Er ist aber auch eine Option für Automobilindustrie und Baugewerbe, um dort Styropor zu ersetzen.

An diesem Themen wird von Bio-Technologen seit vielen Jahren geforscht, gearbeitet, getestet. Laut dem Wissenschaftsjournal Quarks (WDR) können Pilze dank Pilz-Biotechnologie dazu beitragen, ganz wesentliche und existentielle Probleme wie z.B. Nahrungsmittelknappheit, Kraftstoffgewinnung oder wachsende Müllberge zu lösen. Viele Produkte sind bereits auf dem Markt, von einer Massenproduktion aber noch weit entfernt. Warum?

Im Prinzip ist bei Pilz-Biotech die größte offene Frage: Wie produziere ich in großem Maße kostengünstig?Biotechnologin Vera Meyer, Quelle: quarks.de

Im Wesentlichen „müssen Prozesse und Produktionsketten erstellt und optimiert werden, vor allem auch im Bereich Qualitätssicherung“. Noch fehlt es an Investoren, liest man bei quarks.de weiter. Aber auch: In den letzten Jahren nimmt das Thema Fahrt auf. Eine stetige Menge an neuen Patenten, die auf Pilz-Technologie basieren, wurde in den letzten Jahren angemeldet. Einig sind sich Experten, dass Optimismus angesagt ist: In den nächsten zehn Jahren sollte der Sprung in den Massenmarkt geschafft werden.

Polstermaterial aus Maisstärke

Das geringe Eigengewicht  und die Formstabilität machen Verpackungschips zum idealen Füllmaterial für Hohlräume in Kartons, gleichzeitig schützen sie vor Stößen. Meistens haben sie jedoch einen schlechten Ruf, da sie als umweltschädlich gelten. Doch bei dem Verpackungsmaterial flo-pak® ist eher das Gegenteil der Fall: Das flo-pak® Natural ist sogar vollständig aus natürlichen Rohstoffen hergestellt: aus Luft, Wasser und aus Maisstärke. Damit sind die Füllstoffchips zum einen wiederverwendbar aber auch komplett biologisch abbaubar, sogar in Sekunden, wenn man es mit Wasser besprüht und vergräbt. Mais – das klingt essbar. Und ja, dieses Verpackungsmaterial könnte man essen. Denn wie die Toxikologischen Daten aussagen: Bei versehentlichem Genuss unschädlich für Mensch und Tier.

Durch die „gefüllte 8“ ist das flo-pak® Green noch stabiler und besonders zum Polstern schwere und unterschiedlich geformte Produkte geeignet. Bei der Herstellung werden diesen Verpackungschips Enzyme beigemischt. Zusammen mit Mikroorganismen sind die Enzyme in der Lage, das Material ohne die Freisetzung von schädlichen Stoffen, innerhalb von 9 – 60 Monaten vollständig abzubauen, sollten die Chips unbeabsichtigt in der Umwelt landen. Die Verpackungschips können bis zu 10 Mal wiederverwendet oder mit anderen Kunststoffchips industriell recycelt werden.

Etiketten: Zuckerrohr als Alternative zum Erdöl

Etiketten finden sich auf nahezu allen Produkten. Allerdings sind auch diese nur wenig nachhaltig, da sie aus Polyethylen bestehen, das aus Erdöl hergestellt wird. Avery Dennison hat mit einer biobasierten PE-Folie deshalb eine umweltfreundliche Alternative entwickelt. Diese wird aus Zuckerrohr-Ethanol hergestellt und gleicht den physikalischen und mechanischen Eigenschaften der herkömmlichen Folie.

Die weiße und transparente Variante wird genutzt, um Produkte im Lebensmittel-, Getränke-, Haushalts oder Kosmetikbereich zu etikettieren. Verarbeitung und Recycling erfolgt wie bei einer konventionellen PE-Folie. Für Verbraucher bedeutet die nachhaltige Variante somit keine Umstellung.

Auch Tetra Pak nutzt bereits Zuckerrohr für die Herstellung biobasierter Verpackungen. So bestehen die Kartons für gekühlte Milchprodukte ausschließlich aus Kunststoff und Karton auf Zuckerrohrbasis. Mit der neuen Version der Tetra Brik Aseptic-Verpackung führte Tetra Pak vor Kurzem außerdem eine Verpackung mit biobasiertem Verschluss ein. Bei dieser ist nicht nur die Beschichtung der Verpackung, sondern auch die Verschlusskappe aus dem Zuckerrohrkunststoff hergestellt.

Auch Plastikalternativen aus Zuckerohr für die Verpackung von Lebensmitteln oder Teller gibt es bereits:

Verpackungen: Graspapier statt Plastik

Mit Gras verpacken?

Nicht nur Bäume lassen sich zu Papier herstellen, sondern auch Gras. Der schnell wachsende Rohstoff hat dabei gleich mehrere Vorteile: Im Gegensatz zu Wäldern kann das Gras in der Nähe der Papierfabrik wachsen und hat dadurch nur einen kurzen Transportweg. Zudem wächst es deutlich schneller und kann mehrmals im Jahr geerntet werden. Darüber hinaus benötigt die Aufbereitung zu Fasern weniger Wasser und Energie. Graspapier kann somit nicht nur bei der Ökobilanz, sondern auch in punkto Wirtschaftlichkeit punkten. In der Produktion werden die Grasfasern anschließend mit klassischen Holzfasern gemischt und zu Kartons, Schachteln oder Geschenkpapier weiterverarbeitet.

Vorteile gegenüber klassischen Verpackungen

Nachhaltige Verpackungen überzeugen vor allem mit ihrer Ökobilanz. Im Gegensatz zu Styropor oder Plastik bestehen sie nämlich aus nachwachsenden Rohstoffen und sind recycelbar. Anders als die „Umweltsünder“ an Verpackungsmaterialien verbrauchen sie zudem auch bei der Herstellung weniger Energie. Das macht sie für produzierende Unternehmen auch in wirtschaftlicher Hinsicht attraktiv. Und auch in Bezug auf ihre Schutzfunktion stehen die nachhaltigen Verpackungen den herkömmlichen Lösungen meist in nichts nach.

„Neue“ Verpackungen noch mehr Ausnahme als Regel

Nicht zuletzt als Reaktion auf verändertes Nachfrageverhalten passiert besonders im Handel gerade in Hinblick auf Verpackungsreduktion und Verpackungsvermeidung viel. Bei Einwegverpackungen ist die Umstellung von Materialien mit langer Verweildauer auf recycelbare  Materialien bzw. auf solche mit hohem Recyclinganteil ebenfalls zu beobachten. Verpackungsindustrie und Unternehmen sind gefragt, umweltfreundliche Alternativen zu entwickeln und auch einzusetzen. Aber auch, wenn es mit Kartons aus Graspapier, Polstermaterial aus Pilzen, sogenannter Biofolie (hergestellt aus Kartoffelstärke) oder Luftpolsterkissen aus Papier bereits nachhaltige Verpackungen auf dem Markt gibt: Diese Materialien werden bisher noch viel zu selten eingesetzt.

Das Umdenken bei Verpackungsmaterialien ist kein „Von-heute-auf-morgen“. Es gibt Ideen, Tests, Rückschläge. Viele der eigentlich guten Ansätze scheitern an der Massentauglichkeit. Andererseits: Es war vor 10 Jahren noch nicht denkbar – und ist auch noch nicht komplett „zu Ende gedacht“, aber: E-Mobilität ist inzwischen in aller Munde, und auch in immer mehr Garagen. Vielleicht setzt sich auch eine der neuen Ansätze im Bereich der Verpackung durch!?

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